25 Sep

Wo der Hund begraben lag – Perfekt oder Präteritum?

Wie man weiß, sind wir Übersetzerinnen und Übersetzer bei allen die deutsche Sprache betreffenden Fragen – und zugegebenermaßen bei den meisten anderen Belangen auch – selten um eine Antwort verlegen. Und erst recht, wenn es um ein vermeintlich so banales Thema geht, wie jenes, das sich das MÜF im September als Fortbildungsfokus auserkoren hat: Perfekt oder Präteritum – das ist die Frage.

Besprechendes oder erzählendes Tempus?

So starteten wir gemeinsam mit der Vortragenden Gloria Buschor anhand einer aus Weinrichs Textgrammatik der deutschen Sprache entlehnten, völlig klaren Unterscheidung zwischen „besprechendem“ und „erzählendem“ Tempus-Register sowie diversen anderen Merkmalen der beiden Vergangenheitsformen erstmal zuversichtlich in die Diskussion.

Weinrich allein löst die Frage nicht

Bereits beim ersten Textbeispiel wurde jedoch klar: Mit Weinrich können wir zwar unseren Horizont gehörig erweitern, die Entscheidung nimmt er uns aber auch nicht ab. Zu viele Faktoren fließen in die Wahl des Tempus mit ein: Kontext (natürlich!), Dialekt, Soziolekt und Alter des Sprechers, literarische Tradition oder aktuelle Strömungen der Sprachentwicklung (denn laut Sprachwissenschaft haben wir es im Deutschen mit einem regelrechten „Präteritumschwund“ zu tun). So beschäftigten wir uns geraume Zeit damit, ob es nun Wir begruben den Hund in Nachbars Garten oder Wir haben den Hund in Nachbars Garten begraben heißen muss, und welche Bedeutungsnuancen jede der beiden Tempus-Formen mit sich bringt. Anschließend stand zur Diskussion, ob und in welchem Ausmaß beide Formen gemischt vorkommen können, welcher Effekt damit erzielt wird und wie lange man eine Erzählung im Perfekt durchhalten kann. Kann man dem Leser ein ganzes Buch im Perfekt überhaupt zumuten?

Schriftlichkeit vs. Mündlichkeit – und alles dazwischen

Einigkeit herrschte darüber, dass „grundsätzlich kein Tempus einer Sprache dem Tempus einer anderen Sprache gleichgesetzt werden kann“, auch weil sich die Erzähltraditionen verschiedener Sprachen sich in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrzenten unterschiedlich entwickelt haben.

Im Laufe des Abends verschwamm die Trennlinie zwischen „Schriftlichkeit“ und „Mündlichkeit“ immer mehr und machte Begriffen wie Bauch- und Sprachgefühl Platz, bis schließlich klar war, wo der Hund begraben liegt: Tempusentscheidungen sind eben alles andere als banal!

So ging die Prophezeiung der Referentin, der Abend werde wohl mehr Verwirrung stiften, als Fragen beantworten, idealerweise aber dabei helfen, Bauchentscheidungen zu rechtfertigen, in vollem Umfang in Erfüllung.

Claudia Amor

27 Jun

Vorsicht, Schusswaffen!

Einmal pro Jahr gibt es beim Münchner Übersetzerforum eine Veranstaltung aus der Reihe „Basiswissen – nicht nur – für Krimiübersetzer“. Darin soll ÜbersetzerInnen von Kriminalliteratur das für ihr Genre nötige Insiderwissen vermittelt werden. Bei vergangenen Veranstaltungen der Reihe haben bereits Fallanalytiker, Rechtsmediziner und Kriminalbiologen ihr Fachwissen ans interessierte und meist sehr zahlreich versammelte Publikum weitergegeben.

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29 Mai

„Wie wird ein Text deutsch?“ – Ein Dreiergespräch zwischen Karen Nölle, Alexandra Baisch und Luis Ruby

 

Man lese den Titel aufmerksam: „Wie wird ein Text deutsch?“ Er lautet nicht etwa: „Wie übersetze ich einen fremdsprachigen Text in gutes Deutsch?“ Nein, die Frage reicht weiter, nämlich wie übertrage ich einen literarischen Text so, dass daraus auch im Deutschen ein guter literarischer Text wird. Was die „gute Lesbarkeit“ meinen kann, aber auch die tradierten, jeweils unterschiedlichen Literarizitätsmerkmale. Der spezifisch literarische Sound also, um den geht es. Und um Besonderheiten, die nach besonderen Strategien verlangen. Anne Garrétas schillernder Roman Sphinx, übersetzt von Alexandra Baisch, und die Erzählungen und Romane der brasilianischen Schriftstellerin Clarice Lispector, seit geraumer Zeit übersetzt von Luis Ruby, verlangen dabei im Deutschen besondere sprachliche Gestaltungskraft, aber auch Genauigkeit.
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18 Apr

Kleine Einführung in die Malediktologie

 

 

So voll ist es dann doch nicht oft bei den internen Veranstaltungen des Münchner Übersetzer-Forums: In Scharen strömten die Kolleginnen und Kollegen am Abend des 6. April ins Forum des Literaturhauses, um etwas über das Fluchen, Schimpfen, Schmähen und Vom-Leder-Ziehen in den verschiedenen Sprachen zu erfahren. Christiane Burkhardt, Übersetzerin aus dem Italienischen, Niederländischen und Englischen, hatte sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt und bot den fasziniert lauschenden Kollegen nach standesgemäßer Begrüßung mit dem albanischen Fluch „Möge die Elster aus euren Gehirnen trinken!“ einen umfassenden Überblick über das internationale Fluchverhalten – mit durchaus anschaulichen Beispielen vor allem aus ihren Ausgangssprachen und dem Deutschen natürlich.
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14 Okt

20 Jahre MÜF – Die Festrede

Am 30. September 2016 feierte das Münchner Übersetzer-Forum im Literaturhaus mit zahlreichen Mitgliedern, Gästen und Freunden sein 20-jähriges Bestehen. Die Festrede hielt Hinrich Schmidt-Henkel, 1. Vorsitzender des VdÜ. Weiterlesen