2003

Spurwechsel – Ein Film vom Übersetzen
11.12.2003

Ist Ironie, etwa die so heitere wie feine Distanziertheit eines Thomas Mann, übersetzbar? Warum wimmelt es in russischen Texten von „Täubchen“ und „Herzchen“? Wird Kafkas Liftjunge Karl Roßmann gegen die Schulter oder in den Hintern gestoßen? Und wie kommt es, daß „aktualnost“ und „Aktualität“ nicht dasselbe bedeuten?

Spurwechsel, ein Filmprojekt zum Länderschwerpunkt „Rußland“ der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, fragt nach den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Kulturen, wie sie in den Sprachen zutage treten und von den Übersetzern gestaltet werden. Zu Wort kommen je fünf Literaturübersetzer aus dem Deutschen ins Russische und umgekehrt. Da geht es um strukturelle Differenzen zwischen den Sprachen und zugleich, unablösbar mit diesen verbunden, um kulturhistorisch unterschiedliche Resonanzräume.

Bestimmte Wörter, sagt beispielsweise Marina Koreneva, haben einen „Hinterhof“, der sich nicht mittransportieren lasse. Und Ilma Rakusa spricht von den unterschiedlichen „Temperaturen“ des Russischen und des Deutschen.

So erweist sich das Gespräch über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zuletzt als ein Vexierspiel, in dem der individuelle Stil und das Temperament des jeweiligen Übersetzers, seine Lese- und seine Lebenserfahrung eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Spurwechsel zeigt die vielfachen Brechungen, die sich ergeben, wenn ein Text die Sprache wechselt.


Herman Melville in neuer deutscher Übersetzung
14.11.2003

Zusammen mit Professor Daniel Göske, dem Herausgeber der „Ausgewählten Werke“, stellen Matthias Jendis und Christa Schuenke ihre preisgekrönten Neuübersetzungen von „Moby Dick“ und „Pierre“ vor.

Moderiert wird der Abend von Hanser-Lektor Wolfgang Matz.

Wolfgang Matz schreibt:

„Herman Melvilles Ruhm hängt an einem Buch und einer mythischen Gestalt: Moby-Dick. Daß er darüber hinaus ein bedeutender, großer Autor der amerikanischen Literatur ist, der durch seine Neuerungen in Sprache und Form einzigartig ist, das soll mit der Ausgabe „Ausgewählte Werke“ gezeigt werden, die seit dem Jahr 2001 erscheint und demnächst mit weiteren Bänden fortgesetzt wird.

Wie wird man bei der Planung einer fremdsprachigen Ausgabe einem solchen Autor gerecht? Was muß der Übersetzer dafür leisten? Wie muß die Zusammenarbeit zwischen Übersetzern, Herausgeber und Lektor aussehen, damit das fertige Buch das Lob bekommt, das die bisher erschienenen zwei Bände erhalten haben:

Matthias Jendis bekam für „Moby-Dick“ 2001 den Ledig-Rowohlt-Preis, Christa Schuenke für „Pierre“ 2003 den Übersetzerpreis der NRW-Kunststiftung.

Im Mittelpunkt wird die Frage stehen, welche Anforderungen – philologische, ästhetische usw. – für die Arbeit an einem Buch dieses Ranges gestellt werden müssen und welche Qualitäten eine Übersetzung noch gewinnen kann durch die enge Zusammenarbeit der Beteiligten. Alles aber soll wieder zu der Frage hinführen: Wie kann und soll ein deutscher Melville aussehen?“


Tierisch literarisch
Moderiert und umrahmt von Thomas Merk
16.10.2003

Manege frei für eine Tierschau der etwas anderen Art:

Ein Dutzend Kolleginnen und Kollegen, präsentieren kurze Stücke aus ihren übersetzten Werken, die alle nur eines gemeinsam haben: Sie handeln von den besten Freunden des Menschen, von Hunden, Katzen, Pferden, Kröten und anderen Viechern.

Es lesen: Astrid Eichinger (Alberto Moravia), Wieland Grommes (Remo Forlani), Werner von Koppenfels (Emily Dickinson), Margarete Längsfeld (Rita Mae Brown), Thomas Merk (Kenneth Grahame), Gerlinde Schermer-Rauwolf (Tim Parks), Rosemarie Tietze (Andrej Bitow)

Musikalisch abgerundet wird der Abend vom Akkordeonspieler Fritz Bader von der Gruppe Bazar Dilo.


Workshop: Die Bibel für Übersetzer
mit Karl Pichler
11.09.2003

Der Referent schreibt darüber:

Immer wieder stößt man beim Übersetzen auf kenntlich gemachte oder indirekte Bibelzitate. Schlägt man die Stelle in „der Bibel“ nach, stellt man oft fest, daß die aufgefundene deutsche Übersetzung etwas anderes aussagt als das angebliche Zitat derselben Stelle im Ausgangstext. Nun, der Teufel sitzt auch im Wort Gottes im Detail.

Für den Übersetzer „gibt“ es eben nicht „die Bibel“. Es gibt allein in der Westkirche – und damit in den westlichen Sprachen – eine ganze Reihe unterschiedlicher Bibeln mit Tausenden von unterschiedlichen „Lesarten“. Der Griff zur Bibel – erst recht zur allseits gepriesenen Luther-Bibel – führt deshalb oft in eine Sackgasse. Das muß aber nicht sein, es gibt einige Voraussetzungen und Regeln, die uns die Suche erheblich erleichtern.


Sommerfest bei Margarete Längsfeld
12.07.2003


Proust-Übersetzungen
Elisabeth Edl und Barbara Kleiner
05.06.2003

Die Referentinnen schreiben darüber:

Die Geschichte der Proust-Übersetzungen in Deutschland beginnt 1925, als der erste Band der „Recherche“ auf Deutsch erscheint und zu einem „publizistisch-kritischen Fiasko“ wird. Zwischen 1933 und 1945 erfährt diese insgesamt wechselvolle Geschichte eine beredte Unterbrechung, und heute, an ihrem vorläufigen Ende, liegen uns für einige Bände der Recherche drei verschiedene Übersetzungen vor.

Die Referentinnen werden einen Überblick über diese Übersetzungsgeschichte geben. Hauptaugenmerk des Abends soll allerdings auf dem Verhältnis der ersten vollständigen Proust-Übersetzung von Eva Rechel-Mertens aus den fünfziger Jahren und der Überarbeitung derselben durch Luzius Keller liegen, die Ende vergangenen Jahres zum Abschluß gekommen ist. An ausgewählten Textbeispielen sollen vor allem die Möglichkeiten und Grenzen der Revision einer älteren Übersetzung erörtert werden. Dabei wird aber der eine oder andere kontrastive Seitenblick in andere Übersetzungsversionen nicht fehlen.


Trotz Übersetzen überleben
Ein Gespräch mit Christiane Buchner
08.05.2003


Englischwerkstatt: Übersetzung historischer Romane
mit Margarete Längsfeld
10.04.2003

Margarete Längsfeld schreibt dazu:

Die Eskimos hatten keine Orangen, wie konnten sie da die Farbe „orange“ kennen? Haben die Haremsdamen im alten Persien von Sex gesprochen, wenn sie ihn hatten? Über das Übersetzen von heute geschriebenen historischen Romanen sowie den Umgang mit „Autorenschnitzern“ möchte ich nicht nur referieren, sondern ich hoffe vor allem auf ein anregendes Gespräch mit allen, denen diese Problematik auch schon untergekommen ist.


7. ordentliche Mitgliederversammlung des MÜF
13.03.2003

Es wurde ein neuer Vorstand gewählt:
Vorsitzende: Regina Rawlinson
Stellvertretender Vorsitzender: Thomas Merk
Kassenwart: Josef Winiger
Schriftführerin: Gisela Sturm
Beisitzerin: Ursula Wulfekamp
Thomas Wiedling und Inge Leipold haben nicht mehr kandidiert. Das MÜF bedankt sich für ihren langjährigen Einsatz!


Informationsveranstaltung
13.02.2003

Gabriele Gockel, Mitglied der Honorarkommission des VdÜ, berichtet über Entwicklungen zum neuen Urhebervertragsrecht.

Außerdem möchte Gabriele Gockel gern kurz den Fall unserer Kollegin Nermin Acar schildern, die in der Türkei wegen ihrer Übersetzertätigkeit zu einer hohen Geldstrafe verurteilt worden ist.


Übersetzungen vergleichen – Übersetzungen kritisieren
Ein Workshop mit Josef Winiger
09.01.2003

Schon beim Wort Übersetzungskritik bekommen wir Bauchgrimmen. Man müßte mal diesen Kritikern beibringen, auf was sie achten müssen … Aber wissen wir es denn selbst ganz genau?

Die Antwort auf diese Frage soll dahingestellt bleiben – probieren wir es selbst aus, anhand einer Passage aus einem sehr berühmten klassischen Text: die Essais von Montaigne. Vor nicht langer Zeit erschien eine Neuübersetzung, über die viel geschrieben wurde. Wie würden wir sie beurteilen?



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